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Tutorial zeichnen von Der Rote Smolli-Blitz Teil 2

Im ersten teil des Tutorials bzw. Making-Ofs ging es von der Basis-Skizze bis zu der fertig getuschten Vorlage.

In Teil 2 geht es darum diese Vorlage in den Computer zu übertragen, bis hin zu der fertigen Kolorierung.

Auf gehts…

Teil 2

Ab diesem Moment habe ich mit Bleistift, Tusche und Zeichenfeder nichts mehr am Hut. Sobald ich die Tusche-Vorlage in den Rechner habe sind aller weiteren Schritte digital.

Schritt 5, Einscannen und Vorbereiten der Tusche-Vorlage:

Ich gehe immer hin und scanne in Graustufen und 600 dpi. Das ergibt dann ein Bild mit einer Auflösung von 3028 x 5069 Pixeln im DIN A4-Format. In dieser hohen Auflösung werde ich bleiben, auch wenn mein Notebook eigentlich total unterdimensioniert dafür ist.

So eine hohe Auflösung hat zahlreiche Vorteile:

  • Ich kann sehr detailliert arbeiten
  • Fehler sind nicht so sichtbar, weil sie beim runterkonvertieren meistens weggerechnet werden
  • Ein Ausdruck für den Printbereich (Buch, Poster, Postkarte…)ist ohne weiteres möglich

Nachteile gibt es natürlich auch:

  • Die Bearbeitung ist aufwendiger und langsamer
  • Es wird viel Festplattenplatz benötigt.

Die Nachteile kann man ja jederzeit beheben 😉 die Vorteile überwiegen alles andere.

Wer sich jetzt fragt, warum ich nicht direkt in RGB scanne, sondern in graustufen, dann hat mehrere Gründe:

  • Graustufen haben 8 Bit statt 24 Bit + eventuell 8 Bit Alphamap und brauchen ca. 1/3 weniger Speicher.
  • Ich kann viel einfacher eine Tonwertkorrektur vornehmen und mein Spektrum so nah wie möglich an reinem Weiß und reinem Schwarz annähern
  • Ich konvertiere das Bild nachher sowieso zu einem 2 Bit Bild, also Schwarz und Weiß, nichts dazwischen.
  • In dem 2 Bit-Modi arbeite ich viel einfacher ohne Antialiasing, also ohne weich gerechnete Konturen. Warum ich genau auf diese Treppchenpixel scharf bin, erkläre ich gleich noch.

Wie meine Vorlage nach dem Einscannen aussah, habt ihr ja bereits im ersten Teil gesehen.

Nach erfolgter Tonwertkorrektur und sehr rigider Einstellung der Weiß- und Schwarzpunkte und der darauf folgenden Umwandlung in 2 Bit mit einem Schwellenwert von 50% kam ein perfektes Bild mit netten Treppchen heraus 😉

So sah meine eingescannte Vorlage nach der Basisbearbeitung aus:

Das Rote Smolli-Blitz s/w pur Bild


Schritt 6, Korrigieren des S/W-Bildes:

Wer genauer hinschaut, wird ein paar Schludrigkeiten bzw. Fehler in der Vorlage erkennen. (Obwohl viele bei der Konvertierung in das kleinere Tutorial-Format bereits nicht mehr so erkennbar sind). Aber neue Fehler sind aufgetaucht. Direkt unterhalb des Logos, wo die vielen W’s um die Taille laufen, wie bei einem Gürtel, finden sich ein paar schwarze Flecken bzw. Kleckse. Das liegt daran, dass die Abstände zwischen den Linien zu gering waren und am Ende übereinander gelagert aussehen.

Alle diese Fehler und noch mehr, lassen sich nun ganz einfach mit einem kleinen Brush mit weißer Farbe beheben, oder mit schwarzer Farbe fehlende Pixel hinzufügen. Alles inklusive der noch geliebten Treppchen bei den Pixeln.

Korrigierte Version des Bildes(genau hinschauen):

Der Rote smolli-Blitz nach Korrektur


Schritt 7, Füllen aller Flächen:

Diese ganze Vorarbeit diente hauptsächlich einem Zweck, der Vorbereitung für die Kolorierung.

Wer dem Wahnsinn anheim fallen möchte, der kann natürlich jetzt anfangen Fläche für Fläche zu selektieren und mit einer entsprechenden Farbe auszufüllen. Dabei wäre aber darauf zu achten, dass die Auswahl immer mittig entlang den Konturen verläuft.

Wer es schneller haben möchte, der kann diesen Schritt automatisieren und ein Plugin für diese Aufgabe verwenden.

Sowohl für Gimp als auch für Photoshop gibt es dafür Plugins:

  • Für Gimp heißen sie Flatting Tools.
    Gimp-Anwender, die unter Windows arbeiten, haben es leider ein bisschen schwerer, weil das Plugin in Python geschrieben worden ist und es leider nicht mehr 2.6 Version von Gimp läuft.
    Ich bin dann auf die inoffizielle 2.71 Version von Gimp ausgewichen. Da sind die Flatting-Tools bereits integriert. Alternativ installiert man sich Linux mit der VirtualBox.
  • Für Photoshop gibt es diese Flatting-Tools von Boudewijn Pelt.
    Unter Photoshop laufen die Tools übrigens viel schneller und ohne Endlosschleife, wie es manchmal bei der Gimp-Variante bei hoher Auflösung passierte.

Problem und Lösung bei den Gimp Flatting-Tools:

Mit hohen Auflösungen und feinen Strukturen, kann die Gimp-Variante sich endlos an der Bearbeitung aufhalten. Ich hatte nie die Geduld, bis zum bitteren Ende den Fill-Prozess laufen zu lassen. Es schien mir eher so, als ob sich das Tool in eine Endlosschleife verfangen hätte. Auch ein rumspielen mit den Werten hat nicht geholfen.

Was allerdings geholfen hat, war die Auflösung des Bildes durch Skalierung auf 25% zu reduzieren. Als Interpolation ist ‚keine‘ auszuwählen. Auf keinen Fall dürfen dann die Konturen-Ebene mit der Füll-Ebene mit Hilfe der Flatting-Option verschmolzen werden.

Nach getaner Arbeit muss dann die Füllebene wieder auf das ursprüngliche Maß und wieder ohne Interpolation hochskaliert werden. Am Ende wird dann die Füll-Ebene wieder mit der originalen Konturen-Ebene zusammen gelegt, nicht vereint!

Endresultat der automatischen Füllung mit den Flatting-Tools:


Der Rote Smolli-Blitz vorkoloriert

So sieht die automatische Kolorierung ohne Konturen aus:

Der Rote Smolli-Blitz Kolorierung pur


Wie die Kolorierung im Detail aufgebaut ist:

Der Rote Smolli-Blitz Kolorierung Detail 1 Der Rote Smolli-Blitz Kolorierung Detail 2

Das erste Bild ist eine Nahaufnahme des Gürtelbereiches um die Taille, wie es regulär aussieht.

Das zweite Bild daneben, stellt den gleichen Bereich dar, aber diesmal wurde die Transparenz der Kontur-Ebene auf 50% reduziert. Ganz deutlich kann man erkennen, dass die Füllung nicht einfach an der Kontur aufhört, sondern bis zur nächsten Füllung geht. Die Füllungen stoßen also aneinander.

Was habe ich nun davon? Damit verhindere ich unschöne hellere Säume um die Konturen, die durch das AntiAliasing hervorgerufen werden. Der Sinn von dem AntiAliasing (Kantenglättung) ist es ja, einen sanften Übergang zwischen unterschiedlichen Füllungen oder Konturen zu erhalten. In einem Bild mit gerade mal Bildschirmauflösung wäre das schon sehr störend, aber in dieser extrem hohen Auflösung in der ich arbeite ist das ideal.

Die Kantenglättung erreiche ich durch ein späteres herunterrechnen (downsamplen) auf die finale Web-Größe. Dies ist eine Technik, die ich früher sehr häufig im Bereich der 3D-Visualisierung durchgeführt habe. Ganz hoch rendern lassen ohne AntiAliasing, dann downsamplen auf die finale Größe. Das ergab immer wunderschöne glatte Übergänge.

Schritt 9, Untersuchung auf Fehler und Korrektur:

Zurück zu der automatisierten Kolorierung mit den Flatting-Tools. Schaut euch mal das, von euch gesehen, rechte Ohr des Smollis an. Das ist doch was falsch, oder? Die Füllung ist nicht getrennt, zwischen der Maske und dem runden Kreis, wo das W dran befestigt ist. Es ist alles eine Farbe.

Wenn man sich das Detail ganz nah heran zoomt, dann ist klar zu sehen, dass eine Linie nicht komplett bis zur nächsten Kante durchgezogen worden ist. Ich habe geschlampt!

Das ist zwar ärgerlich, aber so schlimm auch nicht. In diesem Fall habe ich einfach mit einem Stift ohne AntiAliasing die Kontur geschlossen und mit einer neuen Auswahl neu gefüllt. Es ist aber darauf zu achten, bei der Auswahl auf die Mitte der Konturen zu gehen.

Der Rote Smolli-Blitz Fehler in der Kontur

Ein weiterer -bewusster- Fehler waren die vielen kleinen bunten Quadrate unter dem Kopf. Da habe ich einfach Farbe für Farbe mit dem Zauberstab und mit einer Toleranz von 0 alle Quadrate ausgewählt und zu einer großen Auswahl hinzugefügt. Bei der Auswahl-Methode ist darauf zu achten, dass nicht alle Ebenen einbezogen werden, sondern nur die mit den Füllungen. Tun wir das nicht, würde die Füllung bei den Konturen aufhören. Die Kantenglättung muss ebenfalls aus sein.

Schritt 10, Füllung mit finaler Grundfarbe:

Jetzt wo jede Fläche eine eigene Farbe hat, ist der Rest ziemlich selbstredend und direkt. Ich wähle mit dem Zauberstab, wieder ohne Kantenglättung und Ebenauswahl, jede Fläche und Fülle sie mit der Farbe meiner Wahl. In diesem Fall war das nicht so kompliziert 😉 Rot und Gelb in zwei bis drei Farbabstufungen und Weiß.

Als letztes habe ich dann auf ein neuen Ebene darüber mit dem Modus multiplizieren und einem weichen, großen und schwach deckendem Pinsel mit grau Tönen noch ein bisschen an der Dimensionalität gearbeitet, also leichte Schatten hinzu gefügt.

Version vor Schatten und finale Version:

Der Rote Smolli-Blitz finale Farbauswahl für FüllungDer Rote Smolli-Blitz Final

Bevor jetzt mein Fieber zu hoch steigt, Grippe sei Dank, veröffentliche ich jetzt den zweiten und letzten Teil.

Falls irgendwelche Ungereimtheiten auftauchen sollten oder Fragen, Kritik, Wünsche etc. bestehen sollten, dann immer her damit.

Zu Teil 1 des Roten Smolli-Blitz Tutorials

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