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Die Krux mit dem Zeitmanagement

Liebe Julia,

Deinen Kommentar fand ich sehr inspirierend und was als Antwort anfing, musste ich, ob der Länge, als einen eigenen Beitrag verarbeiten. Ich hoffe, du verzeihst :) .

Aber nun zu meiner Antwort.

Erst lockst Du mich an Deine Flanke mit dem Hinweis, wie oft Du selber an der Hürde des perfekten Zeitmanagements scheiterst, um mir dann die volle Breitseite zu verpassen, in dem Du mir aufzeigst, das ich doch eigentlich Zeit in Übermaß habe; sie nur unproduktiv nutzen würde.

Ich gebe Dir recht, das dieser Eindruck zwangsläufig entstehen muss, wenn man sich meine Situation nicht differenziert betrachtet, sondern versucht, alle Erziehenden über einen Kamm zu scheren.

Lass mich deswegen kurz die Rahmenbedingen rekapitulieren:

– zwei Kinder, KiGa und Grundschule
– bewusste Entscheidung gegen Übermittagsbetreuung, die Erziehung wollten und wollen wir selbst übernehmen
– Frau voll berufstätig, mit regelmäßig vielen Überstunden
– Ich, Hausmann seit Stunde Null
– Weiterbildung zum Fachinformatiker

Wie ich das sehe, ist dies die klassische Rollenverteilung – nur halt umgedreht.

Bücher über Bücher sind zu diesem Thema geschrieben worden. Ein sehr spannendes Buch, dessen Titel ich leider vergessen habe, behandelte im übrigen das Thema der Desozialisierung der Hausfrauen im Zuge der Industrialisierung. Was früher gemeinsam erledigt werden musste, wurde zunehmend ein One-Women-Job. Vielleicht finde ich das Buch nochmal.

Aber jetzt kommt es: ich bin ja keine Hausfrau, sondern ein HausMANN. Die Vorzüge (manchmal, wenn auch seltener die Nachteile) der Vernetzung untereinander lerne ich erst jetzt ein wenig besser kennen. Aber nicht in der Form, um etwa besser arbeiten zu können, sondern so, das es den Kindern zu Gute kommt. Aber das ist ok, denn an oberster Stelle steht bei uns auf der Fahne: Familie und Zusammenhalt. Ziemlich klassisch (böse: altmodisch). Auch darfst Du in Deiner Rechnung nicht vergessen, das uns die entlastende Anwesenheit von Großeltern leider nicht gegönnt ist.

Ich mache Dir keinesfalls einen Vorwurf, liebe Julia, uns in den gleichen Topf zu werfen, mit allen anderen Familien, Erziehenden und Situationen. Tatsächlich gibt es diesen EINEN Topf nicht. Es gibt unendlich viele Töpfe, für jeden einen Maßgeschneiderten. Immer wenn man versucht, mehrere Töpfe zusammenzufassen, scheitert dies – meistens – daran, dass scheinbar ähnliche Lebensumstände bei näherem Hinsehen doch nur den Schein der Ähnlichkeit erweckt haben.

Das wir uns nicht missverstehen: wir wurden vor eine Wahl gestellt und haben uns für den jetzigen Weg entschieden. Den Luxus einer quasi-traditionellen Rollenverteilung haben wir uns gönnen können. Dies soll jetzt auch nicht als Wertung bzw. Abwertung der anderen Möglichkeiten verstanden werden, jeder soll und muss selber entscheiden wie die eigene Familie geführt werden soll. Viele haben leider diese Wahl nicht mehr in dieser Form. Die Gründe sind bekannt und vielfältig.

Ich wünschte mir jedoch eine größere Akzeptanz – für welche Lebensführung auch immer. Wie oft müssen wir uns anhören, wie toll die Ganztagsbetreuung für Kinder ist und wie schlecht es wäre, wenn Eltern zu viel um die Kinder glucken würden. Was würde ich nicht alles schaffen können, wenn wir doch nur die Kinder abgeben würden… Wissen wir doch, wollen wir aber nicht!

Leben und leben lassen ist leider nicht sonderlich kulturell verankert in unserer Gesellschaft.

Auf einen Punkt gebracht: wir wollen es so!

So viel zu diesem Thema.

Die eigentliche Frage ist die: was muss ich tun, um unter diesen Rahmenbedingungen meinen Blog täglich mit qualitativen Content zu versorgen, damit

  • a) stetig mehr Besucher den Weg zu mir finden
  • b) daraus regelmäßige Besucher werden und
  • c) eine sanfte Monetarisierung stattfinden kann.

Nicht mehr und nicht weniger. Und damit knüpfe ich wieder an Deine vorgebrachte These mit dem Zeitmanagement an. Zeitmanagement ist sicher ein Thema und doch denke ich, das Du es Dir zu einfach machst, dieses komplexe Thema auf ein Modewort zu reduzieren.

Die gängigen Zeitmanagement-Theorien und GTD-Tipps (Getting-Things-Done) beziehen sich auf den normalen Arbeitsalltag eines Menschen, der seine reale, planbare Arbeitszeit nicht effektiv organisieren kann. Sicher bin ich darin kein Meister – aber ich denke nichts desto trotz, das ich mich ganz gut schlage.

Peer von „Selbstständig im Netz“ hatte kürzlich eine Blogparade zu genau diesem Thema. Aber von allen, die mitgemacht haben und die üblichen Lösungsansätze in mehr oder minder abgewandelter Form vorgestellt haben, gibt es genau einen Beitrag, der sich der Problematik des produktiven Arbeitens trotz – in diesem Fall Baby´s – und ohne Verschiebung der Prioritäten auf Grund des Kindes angenommen hat. Ein sehr lesenswerter Beitrag auf den ich gerne hinweise.

Du darfst vor allem nicht den Fehler machen, die normale Arbeit eines Stay-at-Homers gleich zusetzen mit der Arbeit eines Kreativen.

Kreativität geschieht im Kopf, braucht Zeit, muss fließen. Die Früchte dieser Arbeit dürfen auch nicht direkt gepflückt werden, man muss Geduld haben, sie erst dann pflücken und weiter verarbeiten, wenn sie den richtigen Reifegrad erreicht haben.

Wann ist dies? Woher weiß man, wann dieser Zeitpunkt erreicht ist? Auch da braucht es wieder Gefühl. Gefühl braucht Zeit. Und da wären wir wieder bei dem Thema Zeit und deren effektiver Verwaltung.

Wie schon Maja in ihrem eben erwähnten Beitrag schrieb, ist nicht die effektive Summe, also die Gesamtheit an Zeit, die für die Arbeit zur Verfügung steht, ausschlaggebend, sondern der größte zusammen hängende Batzen an Zeit. Und da sieht es schon wieder düsterer aus.

Den Vormittag nutze ich, sofern er mir wirklich zur Verfügung steht, eher für die technischen Belange, also Blogpflege, Programmierung für die Schule und dergleichen. Die 2-3 Stunden sind schnell vorbei.

Bis dann alle Kinder abends endlich eingeschlafen sind, ist Schluss mit der produktiven Arbeit. Also mit dem wirklichen Getting-Things-Done.

Notizen, Spickzettel und Memo´s verteile ich dafür umso lieber – vorzugsweise in der ganzen Wohnung und insbesondere am ruhigsten Örtchen. Dies ist dann meine Art der Dokumentation und Listenführung im Rahmen von GTD.

Ob Du´s glaubst, oder nicht, sobald ich wirklich davon ausgehen kann, das keines der Kinder mehr einen Mucks von sich gibt und plötzlich mit „Mama/Papa, ich ….“ vor mir steht, setzt die gnadenlose Deflation ein. Will heißen: ich bin platt. Ausgelaugt. Mental am Ende. Dies gilt natürlich im gleichen Maße für meine Frau, die kaum von der Arbeit die Tür reinschneit, direkt im Mittelpunkt der größten Mitteilungsbedürftigkeit steht.

Sollte ich natürlich Schule haben – immerhin dreimal die Woche – sieht sie Geschichte leicht anders aus, da bin ja abends gut und gerne drei bis vier Stunden unterwegs und trudele müde, aber entspannt zu Hause ein.

Wie dem auch sei, so gegen 22h und 23h, wenn wirklich ALLE im Bett sind, fängt meine eigentliche kreative Zeit an. Nicht immer natürlich, manchmal – ich bin ja auch nur ein Mensch – ist mentale Ebbe angesagt. Rien ne va plus.

Wie Du siehst, liebe Julia, ein Roboter mag immer weiter funktionieren. Ein Mensch muss hingegen mit seinen Kräften haushalten und diese gezielt – je nach Priorität – einsetzen.

Zeitmanagement hin, Zeitmanagement her, irgendwann sind Eltern nur noch „im Arsch“. Zumindest bis zum nächsten Morgen. Aber da ist ja der angestrebte tägliche Veröffentlichungsmodus wieder für die Katz.

Round and Round and Round we go, nicht weil ich bzw. wir es so müssen, sondern weil wir es so ausgesucht haben. Und da wir es so wollten, müssen wir jetzt auch – bis wir uns umentscheiden.

Resumé:

Mensch, das hättest Du jetzt bestimmt nicht erwartetet, das Dein unschuldiger Kommentar mich zu solch einem Mega-Artikel inspirieren könnte :-).
Da musstest Du stellvertretend herhalten für alle, die meinen, mich dauernd trietzen zu müssen. So ist das nun mal, einen trifft´s immer 😉 .

So, Ihr Lieben, jetzt wo auch dieses Thema umfassend abgehandelt worden ist, werde ich mich die nächsten Tage mit meinen jetzigen Inhaltstypen befassen und versuchen, zu analysieren, warum sie sich nicht für eine tägliche Veröffentlichung geeignet haben bzw. eignen.

Ganz zum Schluss wird hoffentlich der Vorhang für die ultimative Daily-Show fallen. Den Weg dorthin werdet Ihr tagtäglich hier mitverfolgen können.

Im Zweifel gilt: der Weg ist das Ziel (Gruß an Ute).

Liebe Grüße
Euer Philipp

2 Kommentare

  1. Hallo Philipp,

    ein sehr wahrer Artikel!
    Mir geht es auch häufig so das die Kreativität im Alltag auf sich warten lässt da man ihr nicht genug Zeit widmen kann.

    Ich werde jetzt öfter bei dir stalken 😉

    Liebe Grüße Maja

  2. Gerne! Habe ich dir schon von der Ferienzeit erzählt? Arbeitstechnisch ist das die Hölle pur. Bis die Pänz endlich alle im Bett sind, puhhhh 😉

    Und noch was, ein Glas guten Rotweins hilft manchmal zu entspannen, der falsche Wein gibt Migräne, Auaaa…..

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